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Mit dem Rollstuhl durch Nordnorwegen – Zwölf Tage Tromsø im Sommer

Aktualisiert: vor 1 Tag



2025 wollte ich schon lange wieder in den Norden. Nach einer sehr intensiven und erfolgreichen Zeit in Finnland (Sommer 2024) war der Plan, im folgenden Jahr erneut für längere Zeit zu verreisen. Ursprünglich dachte ich an ein weiteres Auslandssemester in Bergen, doch als ich mit der Planung begann, merkte ich schnell, wie viel Energie und Vorbereitung solch ein Vorhaben braucht, und im Zusammenspiel mit meinem Studium, der Freiberuflichkeit und den vielen anderen Verpflichtungen in Potsdam erschien mir das zu dieser Zeit auf einmal überwältigend. Außerdem merkte ich, dass ich nicht direkt schon wieder so lange von meiner Familie und den Freund*innen weg wollte.


Die Sehnsucht nach dem Norden und speziell nach Norwegen blieb jedoch bestehen. Für mich bedeutet Reisen etwas Wesentliches: raus aus dem Gewohnten, neue Landschaften, andere Perspektiven, neue Kraft und das Austesten von Grenzen. Statt Oslo, das uns zu gewöhnlich erschien, wählten wir im letzten Jahr Tromsø, ganz im Norden Norwegens, als unser Ziel für den Sommerurlaub. Tromsø liegt etwa 350 Kilometer nördlich vom Polarkreis. Zwölf Tage Zeit, meinen lieben Papa an meiner Seite und meine Reiseassistenz Rahel, die uns die Reise, und alles, was dazugehört, erleichterte. Mindestens einmal im Jahr die Welt sehen, statt nur darüber nachzudenken, das ist wichtig und sollte möglich sein.


Ein Wasserfall am Wegesrand – perfekte Gelegenheit für eine Pause mit Aussicht.
Ein Wasserfall am Wegesrand – perfekte Gelegenheit für eine Pause mit Aussicht.

Geflogen sind wir mit SAS von Berlin, auf dem Hinweg mit Zwischenstopp in Stockholmund auf dem Rückflug in Kopenhagen. Die gesamte Anreise dauerte etwa drei bis vier Stunden. Die Zeit verging überraschend schnell, und ich genoss es, das Handy nur für Fotos, Podcasts und die wichtigsten Kontakte zu nutzen. Den Rest der Zeit war ich in der Natur und ohne ständige Ablenkung. Wir sahen bereits am dritten Tag eine Elchmutter mit ihren Jungen. Das war einmalig und ein großes Glück! Des Weiteren sahen wir noch viele Rentiere, die so selbstverständlich über die Straße liefen, als würden sie gerade zum nächsten Lebensmittelgeschäft unterwegs sein. Fast jeden Tag führten uns unsere Wege in großartige Landschaften bei bestem Sommerwetter, und einmal sogar an einen menschenleeren, naturbelassenen Strand, weil der Tag mit 26 Grad so warm war. Orte wie die Insel Sommarøy, der Ånderdalen Nationalpark auf Senja oder der Øvre-Dividal Nationalpark zeigten uns Norwegen in seiner ganzen Vielfalt. In Sommarøy fanden wir keine rollstuhlgerechte Toilette, dafür aber im Ånderdalen Nationalpark, auch wenn diese sehr eng bemessen war.


Ganz nah dran: Ein Rentier zwischen Wildblumen in der sommerlichen Landschaft rund um Tromsø.
Ganz nah dran: Ein Rentier zwischen Wildblumen in der sommerlichen Landschaft rund um Tromsø.

Der Ånderdalen Nationalpark ist eine echte Empfehlung, aber etwa drei Stunden von Tromsø entfernt. Bitte passt auf, dass ihr im Navi „Fähre vermeiden“ eingebt, sonst steht ihr auf einmal nachts am Anleger und die nächste Fähre kommt erst am nächsten Morgen. Dann müsst ihr einen großen Umweg fahren, so, wie es uns passiert ist. Im Øvre-Dividal Nationalpark gab es so viele Mücken, dass wir nach kurzer Zeitflüchten mussten. Und an den wenigen Tagen, an denen das Wetter weniger einladend war, bot das Aquarium Polaria eine willkommene Alternative, wenn auch zu einem stolzen Preis und mit vielen deutschen Tourist*innen aufgrund des massiven Kreuzfahrttourismus in Tromsø.


Zwischen Hügeln und Himmel: Die arktische Landschaft rund um Tromsø zeigt sich von ihrer stillen Seite.
Zwischen Hügeln und Himmel: Die arktische Landschaft rund um Tromsø zeigt sich von ihrer stillen Seite.

Ein wichtiger Teil der Reise war unsere Unterkunft, ein Studioappartement, das recht gut auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten war. Es lag zentral, mit Einkaufsmöglichkeiten direkt im Haus, was den Alltag erleichterte. Die Küche war voll ausgestattet, es gab ein großes

Doppelbett und eine Waschmaschine im Zimmer machte es möglich, auch unterwegs für Ordnung zu sorgen. Besonders wichtig waren für mich die Haltegriffe im Bad und an der Toilette. Gleichzeitig zeigte sich, dass es kein Duschstuhl vor Ort gab und so duschte ich zwölf Tage auf der Toilette. Not macht eben erfinderisch! Grundsätzlich ist die Unterkunft aber eher mit dem Aktivrollstuhl zu empfehlen, mit einem elektrischen Rollstuhl wäre es wahrscheinlich eng geworden.


Die letzten Urlaubstage verbrachten wir zwischen dem Nordmeer und den Bergen Norwegens. An den meisten Tagen fühlte es sich an wie im Paradies oder wie am Ende der Welt. Die Landschaften waren jeden Tag neu, jede Bucht, jeder Berg hatte seine eigene Geschichte. Die Stille und Weite Norwegens werden uns auf jeden Fall in Erinnerung bleiben, aber auch die vielen leckeren Cafés. Der Sami Shop Heia war ein echtes Highlight für uns: ein Rentier vor dem Eingang, ein großes, gemütliches Zelt mit frischem Kaffee und leckeren Waffeln am Feuer und danach die Shoppingsucht beruhigen. Hier gab es alles, was das Norweger-Herz begehrt. Und vor allem auch eine super saubere Rollstuhltoilette. Einmalrichtig essen gehen ist uns in Tromsø allerdings nicht gelungen, es gab nur wenige klassische Restaurants mit außergewöhnlichen Öffnungszeiten. Für alle, die Abenteuer mögen und nicht auf gerade und asphaltierte Wege angewiesen sind (es ging viel auf und ab und Papa hat wieder Unglaubliches geleistet, um mir die schönsten Ausblicke zu bescheren), sind Tromsø und Umgebung eine echte Empfehlung! Na, Lust auf Norwegen?w


Pause im Sami-Zelt: Frische Waffeln und ein Stück nordnorwegische Kultur.
Pause im Sami-Zelt: Frische Waffeln und ein Stück nordnorwegische Kultur.

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