top of page

Kein Publikum, aber viele Erkenntnisse

Ein ungewöhnlicher Nachmittag bei den Potsdamer Inklusionstagen


Eigentlich war alles vorbereitet

Manchmal laufen Veranstaltungen ganz anders als geplant.

Am 28. April 2026 fand im Rahmen der Potsdamer Inklusionstage unsere

Infoveranstaltung „Reisen mit Behinderung? Traut Euch!“ statt. Der Raum war

vorbereitet, die Referent*innen waren da, die Infomaterialien lagen bereit,

Kaffee, Obst und Kekse standen auf den Tischen. Nur eines fehlte: die Besucher.

Natürlich waren wir zunächst enttäuscht. Gemeinsam mit der TMB Tourismus-

Marketing Brandenburg GmbH, der PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH

und der Landeshauptstadt Potsdam hatten wir viel Zeit und Herzblut in die

Vorbereitung investiert. Unser Ziel war es, Menschen mit Behinderung und ihre

Angehörigen zu ermutigen, den ersten Schritt ins Reisen zu wagen und ihnen

praktische Informationen an die Hand zu geben.


Broschüren und Flyer für das Publikum
Broschüren und Flyer für das Publikum

Geballte Expertise rund ums Reisen

Besonders schade war das Ausbleiben der Besucher, weil an diesem Nachmittag

außergewöhnlich viel Expertise an einem Tisch versammelt war.

Die Moderation übernahm Dr. Tina Denninger, Beauftragte für Menschen mit

Behinderung der Landeshauptstadt Potsdam. Adina und Timo Hermann von

mobilista.eu sprachen über die sogenannte „Customer Journey“ – also den Weg

von der ersten Reiseidee bis zur Rückkehr nach Hause. Dabei berichteten sie von

ihren eigenen Erfahrungen, gaben praktische Tipps zur Reiseplanung und zeigten

auf, welche Herausforderungen und Chancen Menschen mit Behinderung auf

dem Weg in den Urlaub begegnen können. Sie berichteten auch über ihre

Erlebnisse und Hürden als Familie (mit Behinderung).

Ich selbst sprach über Reisen mit Assistenz, Finanzierungsmöglichkeiten und die

Angebote von YAT Reisen. Stefan von Schlotheim stellte das Seehotel Rheinsberg

und das Heidehotel Bad Bevensen vor, während Kerstin Lehmann von der TMB

barrierefreie Ausflugsziele in Brandenburg präsentierte.

Von der ersten Reiseidee über die Organisation von Assistenz und Finanzierung

bis hin zu konkreten barrierefreien Unterkünften und Ausflugszielen war damit

nahezu die gesamte Reisekette abgedeckt.


Fachexperten unter sich
Fachexperten unter sich

Und dann blieb der Raum leer

Die Veranstaltung wurde im Vorfeld breit beworben – unter anderem durch das

Büro für Chancengleichheit und Vielfalt der Landeshauptstadt Potsdam, der TMB

Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, mobilista.eu und Handicaptation.

Hinzu kamen persönliche Einladungen und Empfehlungen aus verschiedenen

Netzwerken. Trotzdem blieb der Raum an diesem Nachmittag leer.

Das war zunächst ernüchternd. Nicht nur wegen der Vorbereitungen, sondern

auch, weil wir wissen, dass der Bedarf an Informationen rund um das Reisen mit

Behinderung vorhanden ist. Die Fragen erreichen uns regelmäßig: Kann ich mit

meinem Kind überhaupt verreisen? Wie finde ich eine passende Unterkunft? Wer

finanziert Assistenz auf Reisen? Welche Angebote gibt es überhaupt?


Warum hat es nicht funktioniert?

Natürlich haben wir uns im Nachhinein gefragt, woran es gelegen haben könnte.

War eine Präsenzveranstaltung das falsche Format? War der Termin ungünstig?

Hätten wir die Zielgruppe noch direkter ansprechen müssen? Oder suchen

Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen heute auf ganz anderen Wegen

nach Informationen?

Auf all diese Fragen gibt es vermutlich keine einfache Antwort. Dennoch nehmen

wir sie als wichtige Anregung für zukünftige Veranstaltungen mit.


Aus dem Vortrag wurde ein Netzwerktreffen

Trotz aller Enttäuschung möchten wir den Nachmittag nicht als Misserfolg

betrachten.

Was ursprünglich als Informationsveranstaltung geplant war, entwickelte sich zu

einem intensiven Austausch zwischen Menschen, die sich aus unterschiedlichen

Perspektiven mit barrierefreiem Reisen beschäftigen. Ohne Zeitdruck und festes

Programm entstand Raum für Gespräche über bestehende Barrieren, gelungene

Praxisbeispiele, Informationslücken und neue, gemeinsame Ideen.

Gerade dieser offene Austausch war für alle Beteiligten sehr wertvoll. Selten

sitzen so viele Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und

Fachkenntnissen an einem Tisch und können sich in dieser Tiefe austauschen.

Aus dem geplanten Vortrag wurde so letztlich ein kleines Netzwerktreffen – und

genau darin lag auch etwas Positives.


Von der leeren Veranstaltung zum Netzwerktreffen
Von der leeren Veranstaltung zum Netzwerktreffen

Was wir für die Zukunft mitnehmen

Die wichtigste Erkenntnis dieses Nachmittags lautet: Das Thema bleibt relevant

und der Bedarf ist auf jeden Fall da.

Wir möchten künftig noch stärker überlegen, wie wir Menschen mit Behinderung

und ihre Angehörigen erreichen können. Vielleicht braucht es andere Formate,

andere Orte oder noch gezieltere Kooperationen mit Selbsthilfegruppen,

Beratungsstellen und Einrichtungen. Die Erfahrungen und Ideen aus diesem

Nachmittag fließen bereits jetzt in unsere Beratungsarbeit und zukünftige

Angebote ein.

Vor allem aber hat uns die Veranstaltung gezeigt, dass es sich lohnt,

dranzubleiben. Denn der Bedarf an Austausch, Information und gegenseitiger

Ermutigung ist weiterhin da.


Fortsetzung folgt

Deshalb möchten wir das Thema nicht auf sich beruhen lassen. Gemeinsam mit

unseren Partner*innen planen wir, das Format weiterzuentwickeln und im

kommenden Jahr beim Akzeptanzfestival einen neuen Anlauf zu wagen.

Dann hoffentlich mit vielen interessierten Besucherinnen und Besuchern – und

mindestens genauso viel Expertise wie in diesem Jahr.

Denn manchmal entstehen die wichtigsten Erkenntnisse genau dann, wenn nicht

alles nach Plan läuft.

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
Ludovico Einaudi

Ludovico Einaudi – Konzert am 26.02.2016 in der Leipziger Messehalle Mal wieder Lust, ein Konzert zu besuchen? Am Freitag war ich bei...

 
 
 

Kommentare


bottom of page