Kein Publikum, aber viele Erkenntnisse
- lea42502
- 30. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Ein ungewöhnlicher Nachmittag bei den Potsdamer Inklusionstagen
Eigentlich war alles vorbereitet
Manchmal laufen Veranstaltungen ganz anders als geplant.
Am 28. April 2026 fand im Rahmen der Potsdamer Inklusionstage unsere
Infoveranstaltung „Reisen mit Behinderung? Traut Euch!“ statt. Der Raum war
vorbereitet, die Referent*innen waren da, die Infomaterialien lagen bereit,
Kaffee, Obst und Kekse standen auf den Tischen. Nur eines fehlte: die Besucher.
Natürlich waren wir zunächst enttäuscht. Gemeinsam mit der TMB Tourismus-
Marketing Brandenburg GmbH, der PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH
und der Landeshauptstadt Potsdam hatten wir viel Zeit und Herzblut in die
Vorbereitung investiert. Unser Ziel war es, Menschen mit Behinderung und ihre
Angehörigen zu ermutigen, den ersten Schritt ins Reisen zu wagen und ihnen
praktische Informationen an die Hand zu geben.

Geballte Expertise rund ums Reisen
Besonders schade war das Ausbleiben der Besucher, weil an diesem Nachmittag
außergewöhnlich viel Expertise an einem Tisch versammelt war.
Die Moderation übernahm Dr. Tina Denninger, Beauftragte für Menschen mit
Behinderung der Landeshauptstadt Potsdam. Adina und Timo Hermann von
mobilista.eu sprachen über die sogenannte „Customer Journey“ – also den Weg
von der ersten Reiseidee bis zur Rückkehr nach Hause. Dabei berichteten sie von
ihren eigenen Erfahrungen, gaben praktische Tipps zur Reiseplanung und zeigten
auf, welche Herausforderungen und Chancen Menschen mit Behinderung auf
dem Weg in den Urlaub begegnen können. Sie berichteten auch über ihre
Erlebnisse und Hürden als Familie (mit Behinderung).
Ich selbst sprach über Reisen mit Assistenz, Finanzierungsmöglichkeiten und die
Angebote von YAT Reisen. Stefan von Schlotheim stellte das Seehotel Rheinsberg
und das Heidehotel Bad Bevensen vor, während Kerstin Lehmann von der TMB
barrierefreie Ausflugsziele in Brandenburg präsentierte.
Von der ersten Reiseidee über die Organisation von Assistenz und Finanzierung
bis hin zu konkreten barrierefreien Unterkünften und Ausflugszielen war damit
nahezu die gesamte Reisekette abgedeckt.

Und dann blieb der Raum leer
Die Veranstaltung wurde im Vorfeld breit beworben – unter anderem durch das
Büro für Chancengleichheit und Vielfalt der Landeshauptstadt Potsdam, der TMB
Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, mobilista.eu und Handicaptation.
Hinzu kamen persönliche Einladungen und Empfehlungen aus verschiedenen
Netzwerken. Trotzdem blieb der Raum an diesem Nachmittag leer.
Das war zunächst ernüchternd. Nicht nur wegen der Vorbereitungen, sondern
auch, weil wir wissen, dass der Bedarf an Informationen rund um das Reisen mit
Behinderung vorhanden ist. Die Fragen erreichen uns regelmäßig: Kann ich mit
meinem Kind überhaupt verreisen? Wie finde ich eine passende Unterkunft? Wer
finanziert Assistenz auf Reisen? Welche Angebote gibt es überhaupt?
Warum hat es nicht funktioniert?
Natürlich haben wir uns im Nachhinein gefragt, woran es gelegen haben könnte.
War eine Präsenzveranstaltung das falsche Format? War der Termin ungünstig?
Hätten wir die Zielgruppe noch direkter ansprechen müssen? Oder suchen
Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen heute auf ganz anderen Wegen
nach Informationen?
Auf all diese Fragen gibt es vermutlich keine einfache Antwort. Dennoch nehmen
wir sie als wichtige Anregung für zukünftige Veranstaltungen mit.
Aus dem Vortrag wurde ein Netzwerktreffen
Trotz aller Enttäuschung möchten wir den Nachmittag nicht als Misserfolg
betrachten.
Was ursprünglich als Informationsveranstaltung geplant war, entwickelte sich zu
einem intensiven Austausch zwischen Menschen, die sich aus unterschiedlichen
Perspektiven mit barrierefreiem Reisen beschäftigen. Ohne Zeitdruck und festes
Programm entstand Raum für Gespräche über bestehende Barrieren, gelungene
Praxisbeispiele, Informationslücken und neue, gemeinsame Ideen.
Gerade dieser offene Austausch war für alle Beteiligten sehr wertvoll. Selten
sitzen so viele Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und
Fachkenntnissen an einem Tisch und können sich in dieser Tiefe austauschen.
Aus dem geplanten Vortrag wurde so letztlich ein kleines Netzwerktreffen – und
genau darin lag auch etwas Positives.

Was wir für die Zukunft mitnehmen
Die wichtigste Erkenntnis dieses Nachmittags lautet: Das Thema bleibt relevant
und der Bedarf ist auf jeden Fall da.
Wir möchten künftig noch stärker überlegen, wie wir Menschen mit Behinderung
und ihre Angehörigen erreichen können. Vielleicht braucht es andere Formate,
andere Orte oder noch gezieltere Kooperationen mit Selbsthilfegruppen,
Beratungsstellen und Einrichtungen. Die Erfahrungen und Ideen aus diesem
Nachmittag fließen bereits jetzt in unsere Beratungsarbeit und zukünftige
Angebote ein.
Vor allem aber hat uns die Veranstaltung gezeigt, dass es sich lohnt,
dranzubleiben. Denn der Bedarf an Austausch, Information und gegenseitiger
Ermutigung ist weiterhin da.
Fortsetzung folgt
Deshalb möchten wir das Thema nicht auf sich beruhen lassen. Gemeinsam mit
unseren Partner*innen planen wir, das Format weiterzuentwickeln und im
kommenden Jahr beim Akzeptanzfestival einen neuen Anlauf zu wagen.
Dann hoffentlich mit vielen interessierten Besucherinnen und Besuchern – und
mindestens genauso viel Expertise wie in diesem Jahr.
Denn manchmal entstehen die wichtigsten Erkenntnisse genau dann, wenn nicht
alles nach Plan läuft.



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