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Sputnik Springbreak 2017

Die Idee

Was sich vor zwei Jahren (siehe Bericht: Sputnik Springbreak 2015) als

ziemliches Jahreshighlight erwiesen hatte, sollte nun keine Eintagsfliege mehr

bleiben. Das Sputnik Springbreak-Festival, eine Veranstaltung meines geliebten

Heimat-Radiosenders MDR Sputnik, hatten wir vor zwei Jahren sauber und

ordentlich und mit gutem Service (Deutsches Rotes Kreuz,

Einkaufsmöglichkeiten auf dem Festivalgelände, Fressbuden, Getränkewagen

etc.) erleben dürfen. Des Weiteren befand sich die Halbinsel Pouch, auf der das

Event stattfand, nur etwas mehr als eine Stunde von meiner Heimat

Lutherstadt Eisleben. Der wichtigste Grund, diese Veranstaltung dieses Jahr

unbedingt wieder wahrzunehmen, war jedoch das unfassbar gute Lineup, also

die Liste der Künstler, die auftreten würden, welches Ende 2016 veröffentlicht

wurde. Kraftklub, Clueso, Materia, Gestört Aber Geil, Alan Walker und viele mehr –

es war, als wäre das Festival vorher genau auf mich zugeschnitten wurden.

Hier musste ich einfach hin! Da war es mir dann auch egal, dass die Karte 129

€ kosten sollte und der Preis somit, im Vergleich zu 2015, um 20 € gestiegen

war. Ganz ehrlich: Wenn ich mir für jedes dieser Konzerte ein Ticket gekauft

hätte, wäre das definitiv teurer geworden.

Mein Entschluss stand also fest! Jetzt musste ich nur noch eine passende

Begleitung finden, denn Dimi, mein perfekter Begleiter von 2015, fiel leider

aufgrund von Prüfungen weg. Also zimmerte ich einen kleinen Beitrag

zusammen: Ein ansprechender Text, ein schönes Urlaubsfoto und der Klick auf

“öffentlich posten” waren die ersten großen Schritte zum Ziel. Bekanntlich geht

heutzutage fast alles über gute Kontakte. So auch hier, denn der Freizeit ohne

Barrieren e.V., der mir schon seit Jahr und Tag während YAT-Reisen immer

tolle Assistenten zur Seite stellte, teilte meinen Beitrag auf seiner FacebookPage.

Er wurde noch viele Male geteilt, unter anderem auch von YAT-Reisen

selbst. So war er für jeden zugänglich, der schon einmal eine dieser Reisen

begleitet hatte oder interessiert war, dies bald zu tun. An dieser Stelle möchte

ich mich noch einmal ganz offiziell und mit ganzem Herzen bei Alex, Nick und

Sascha bedanken, unter denen YAT-Reisen und der FoB stehen. Großartig!

Vielen Dank!

Am selben Tag bestellte ich dann auch noch das Ticket. Ich war fest davon

überzeugt, dass sich die Begleitperson schnell finden würde.

Achtung: Auch in diesem Jahr musste ich nur ein Ticket kaufen, da durch mein

B (Begleitperson) im Schwerbehindertenausweis die Begleitpersonkarte immer

kostenfrei ist. Dieses Gesetz gilt theoretisch bundesweit, nur das Stage Theater

in Hamburg (z.B. Musical König der Löwen) und noch wenige andere

Institutionen halten sich nicht an die Regelung. Hier gibt es dann lediglich

Vergünstigungen.

In den nächsten Tagen füllte sich mein Postfach immer mehr mit Nachrichten

von Interessenten. So schrieb ich hier ein bisschen und knüpfte da neue

Kontakte. Doch ziemlich schnell hatte ich meine Wahl getroffen: Ronja hatte

schon mehrere YAT-Reisen begleitet, wir waren gleichaltrig und sie kam aus

der Nähe von Hildesheim, was nicht zu weit von Eisleben entfernt war.

Doch alles das waren nicht die wirklichen Gründe, warum ich mich für sie

entschieden habe. Natürlich war es ziemlich cool, dass wir beide gleichaltrig

waren. Ich merkte sofort, dass Ronja große Lust hatte, das mit mir zu machen.

Auch einfach deswegen, weil sie selbst noch nie auf einem Festival war. Das

war absolut okay für mich, denn ich wollte nicht meine Behinderung sondern

die Veranstaltung in den Vordergrund rücken. Wir schrieben uns eine Weile,

besprachen die wichtigsten Sachen. Große Gedanken, wie das um Gottes

Willen alles funktionieren sollte, machten wir uns beide nicht. Sehr

sympathisch!

Es war mittlerweile Anfang Mai. Uns war irgendwie der Alltag dazwischen

gekommen. Jetzt mussten wir uns langsam beeilen, wenn wir uns noch einmal

persönlich treffen wollten, bevor es dann endgültig losging.

Gegen meinen ursprünglichen Plan, sich bei mir zu Hause zu treffen, trafen wir

uns in Berlin, wo ich mich oft aufhielt, wenn ich dann doch einmal ein

Wochenende in meiner zweiten Heimat Potsdam verbrachte.

Also rollte ich, gemeinsam mit Friedrich, der mich von der Arbeit abgeholt

hatte, in die immer gleiche S-Bahn, stieg an der immer gleichen Haltestelle

(Charlottenburg) aus und zusammen mit Ronja gingen wir dann in das immer

gleiche Café, das Extrablatt Charlottenburg.

Auch wenn es hier ziemlich laut war und eine anständige Unterhaltung kaum

möglich war, mir war sofort klar, dass das zwischen uns passen würde.

Übrigens: Die Rollstuhltoilette im Extrablatt Charlottenburg war, wenn man sie

mit einem E-Rollstuhl benutzen wollte, wohl kaum komfortabler, als ein

Rollstuhl-Dixi auf dem Festival. Die perfekte Übung!

Nach ein paar Stunden war alles besprochen (eigentlich nicht :)) und wir

verstanden uns super. Es konnte losgehen!

Tag 1 (Freitag, 02.06.2017)

Heute war es dann endlich soweit, das Sputnik Springbreak-Festival startete.

Gegen 11:30 Uhr war Ronja bei mir im wunderschönen Lutherstadt Eisleben.

Hier wollten wir noch einmal die Ruhe genießen, denn die sucht man auf

einem Festival vergeblich.

Meine Eltern waren so gnädig und überließen mir für das Wochenende

unseren Caddy. Das war praktisch, denn hier passten mein Rollstuhl, eine

Kühlbox, Decken, Essen und Trinken sowie zwei Campingstühle problemlos

rein. Theoretisch hätten wir im Kofferraum des Fahrzeugs auch schlafen

können.

Das allerwichtigste zuerst: Ich empfehle euch, auf ein Festival oder eine andere

Großveranstaltung immer einen Rollstuhl mitzunehmen, den ihr nicht jeden

Tag für Schule oder Arbeit benötigt. Das Risiko ist hier einfach größer. Wie

auch schon vor zwei Jahren nahm ich den Rollstuhl mit, an den ich

normalerweise mein Handbike koppelte. Schlussendlich war diese

Entscheidung goldrichtig, denn am Sonntag kam ich mit einem Platten zurück

nach Hause. So muss das sein! Wie es dazu kam, erzähle ich später.

Das sorgfältige Verladen des Rollstuhls lohnte sich kaum, denn ehe wir im

Auto saßen, waren wir auch schon wieder draußen. Der Festival-Einkauf im

REWE stand an. Was durfte auf keinen Fall fehlen? Dass wir auf dem

Springbreak keine essenstechnische Hochkultur fabriziert haben, sollte jedem

klar sein: Brot, Würstchen und Steaks, jede Menge 5-Minuten-Terrinen und

viele verschiedene Soßen. Aber auch ein Glas Nutella durfte nie fehlen. EnergyDrinks,

Cola, Sprite, verschiedene Säfte, Kaffee und natürlich Bier sollten uns

an diesem Wochenende vor dem Verdursten bewahren. Doch auf keinen Fall

sollte man die Bedeutung von Mineralwasser unterschätzen. Ich empfehle

euch sogar einen Wasserkanister, der ist zum Durstlöschen und zum Waschen

gut. Wenn wir schon mal beim Waschen sind: Einmalwaschlappen,

Feuchttücher und Küchenrolle sind neben dem üblichem Duschbad

Pflichtprogramm! Eine große Tüte Strohhalme und Einweggrills noch in den

Wagen und dann konnte es auch schon zur Kasse gehen.

Bei einem Abstecher in den Baumarkt erwarben wir noch zwei Campingstühle.

Warum? An diesem Wochenende hatte ich nur einen manuellen Rollstuhl

dabei, das hieß, keine andere Position der Rückenlehne oder der Fußrasten

möglich, wie beispielsweise im Elektrorollstuhl oder im Bett mit verstellbaren

Lattenrost. Im Zelt hätte ich mich zur Entlastung zwar hinlegen können, doch

das wäre für eine kurze Zeitdauer ziemlich aufwendig. Aus diesem Grund

gönnte ich meinem Rücken einen Campingstuhl. Die positive Nebenwirkung,

der Dosenhalter, bewegte mich noch zusätzlich zum Kauf. Kurzum: Ein

Campingstuhl gehört einfach zum Festival dazu! So konnten meine

“Fußgänger-Freunde” (was für eine dämliche Wortschöpfung) das Leben auch

mal aus der sitzenden Perspektive erleben.

Nachdem wir das Einkaufscenter verlassen hatten und das Auto, trotz Ronjas

eleganten Stapeltechnicken, bis zur Decke vollgepackt war, sollte es nun

endlich losgehen. Die Partystimmung der Halbinsel Pouch war jetzt nur noch

etwa 75 Minuten entfernt. Also los!

Die Autofahrt bis zum Festivalgelände war ziemlich entspannt und ohne

jeglichen Stau. Das war auch gut so, denn kaum waren wir in der Nähe der

Halbinsel angekommen, wurden wir von einem Parkplatz zum nächsten

gescheucht, alle sollten angeblich extra für Rollstuhlfahrer gedacht sein. Wir

standen meistens keine zwei Minuten, ehe uns irgendjemand sagte, dass wir

uns aus Sicherheitsgründen woanders platzieren mussten. Im Laufe der Zeit

bekamen wir dann eine Durchfahrtsgenehmigung ans Auto geklebt, aber auch

die machte die Suche nach einem geeigneten und auch noch erlaubten

Parkplatz nur wenig unkomplizierter. Unser Ziel war es, eine Parkmöglichkeit

nahe der Behindertentoiletten, also der größeren Dixis mit Haltegriff, zu

finden, bei der wir auch gleich unser Zelt aufschlagen konnten. Und

tatsächlich: Nach einer geschlagenen halben Stunde war dieses Ziel erreicht!

Ein Parkplatz auf einer Wiese, nur wenige Meter von den Dixis entfernt, der

auch noch genug Platz für ein großes Zelt bot. Wahnsinn.

Wenn auch ihr diesen Kampf gewinnen wollt, legt euren Parkausweis für

Sicherheitsleute und Kontrolleure gut sichtbar vorne ins Auto. Den

Parkausweis kann beim zuständigen Straßenverkehrsamt beantragt werden.

Voraussetzungen sind ein Behindertenausweis und die Merkzeichen “aG” oder

“Bl”, also “außergewöhnliche Gehbehinderung” oder “Blind”. Neben dem

Parkausweis solltet ihr nach einer Durchfahrtsgenehmigung fragen und

ausdrücklich auf einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe der

Behindertentoiletten bestehen.

Ach ja: Für einen Parkplatz auf dem Hauptzeltplatz fallen Gebühren in Höhe

von 20 € an. Plätze auf dem ruhigeren Parkplatz kosten zwar nur 10 €,

allerdings ist hier der Weg zu den Sanitäranlagen weiter und man ist weit weg

vom Geschehen.

Ganz anders als wir, denn wir waren nur wenige Meter von der Mainstage

(Hauptbühne, dem Zelt des DRK, der Toilette und des Festivalsupermarkts

entfernt. Perfekt gelöst, würde ich sagen. Mittlerweile war es 14:00 Uhr.

Direkt hinter uns kamen auch schon unsere Mitstreiter, meine gute Freundin

Pauline und Jasmin, die sie auf einer YAT-Reise kennengelernt hatte und von

unserer Idee, gemeinsam aufs Festival zu gehen, überzeugen konnte.

Pauline brachte auch unser Zelt mit, welchen theoretisch Platz für sechs

Personen bieten sollte. In unserem Fall für vier Personen und zwei Rollstühle.

Nachdem das Zelt in mühevoller Kleinarbeit aufgebaut und einem

provisorischen Schlafzimmer halbwegs ähnlich sah, stürzten wir uns das erste

Mal ins Getümmel und genossen eine erfrischende Spezialität hier,

alkoholisches Wassereis. Festival eben!


Ich war sehr glücklich: Das Gefühl, auf einem Event dabei zu sein, auf dem

30.000 andere Menschen feierten und man im Rollstuhl zwar auffiel aber

nicht besonders interessierte. Ich war eine von vielen, mittendrin und einfach

da. Unbeschreiblich!

Wieder zurück auf dem Zeltplatz, packte uns ein größerer Hunger. Also holten

wir Fleisch, Würstchen, Grillkäse, Bier und Energy-Drinks aus der Kühltruhe,

die am Zigarettenanzünder des Autos (ein Fehler!!!) angeschlossen war.

Anschließend versuchten wir uns an den Einweggrills, mussten aber leider

feststellen, dass diese Erfindung so gut wie gar nicht funktionierte. Zum Glück

hatten wir nette Nachbarn, die uns unser Essen mit einem richtigen Grill

schnell und lecker zubereiteten. Das Geld für Einweggrills könnt ihr euch also

schon sparen! Beim “Abendessen” kam auch zum ersten Mal der Campingstuhl

zum Einsatz, was für eine Wohltat für meine liebe Wirbelsäule!

Gegen 19:30 Uhr machten wir uns auf den Weg zur Mainstage, heute standen

Gestört Aber Geil, Cluseo, Chefboss, Trailerpark und Felix Jeahn für uns auf dem

Programm. Bei diesen Künstlern konnte das heute nur ein unvergesslicher

Abend werden.

Auch wenn diese Aussage etwas von der früheren Zeit im Kindergarten hat,

aber geht nochmal auf die Toilette, bevor ihr euch auf den Weg zur Bühne

macht! Das Dixi am DRK-Zelt war einfach das Beste, denn in diesem Jahr

wurde sehr auf die ausschließliche Nutzung von Rollstuhlfahrern oder

Gehbehinderten geachtet. Deswegen war es dort auch sehr schön sauber. Dixi

bleibt natürlich Dixi und auch hier waren es wie in jedem anderen gefühlte

1.000 Grad, trotzdem konnte man es hier für eine gewisse Zeit aushalten. Der

zweite Grund, warum ihr sanitäre Angelegenheiten vor dem Konzertbesuch

erledigen solltet, ist der Weg zur Hauptbühne. Dieser ist zwar nicht weit,

jedoch sehr steinig und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Prinzipiell würde ich das Festival mit seinen asphaltierten Wegen als relativ

barrierefrei einstufen, warum es gerade zur Hauptbühne nur so einen steinigen

Weg, kann ich euch tatsächlich nicht beantworten. Dieses Problem sollte man

wahrscheinlich einmal beim Veranstalter ansprechen!

Achtung: Eigene Getränke sind auf der Mainstage nicht gestattet!

Wie dem auch sei: Wir hatten einen tollen ersten Abend mit toller Musik. Was

mich besonders glücklich machte, war die Anzahl von sechs Rollstuhlfahrern

auf der gewohnten Tribüne, von der man zwar einen entfernten Blick auf die

Bühne hatte, jedoch jede Menge Spaß und Sicherheit, etwas abseits von den

Menschenmassen. Auch wenn das vielleicht lächerlich ist, aber hier gab es im

Vergleich zu 2015 eine enorme Steigung. Pauline traf sogar bekannte Gesichter

vom letzten Jahr. Ein großes Festival mit Rollstuhlfahrern ist für mich

Teilhabe pur! Vielen Dank für diese positive Erkenntnis!

Tag 2 (Samstag, 03.06.2017)

Nachdem wir heute Morgen gegen 03:00 Uhr im Bett waren, schliefen wir

erstmal eine Weile ziemlich fest. Doch um 10:00 Uhr war dann auch für uns

die Nacht zu Ende, denn im Zelt stand die Luft und die Musik dröhnte laut aus

allen Richtungen, am lautesten allerdings von unseren eigenen Nachbarn, die

mit kompletter Anlage angerückt waren und denen die eigentlichen Künstler

gar nicht so wichtig waren.

Ich hatte tatsächlich viel besser geschlafen, als im letzten Jahr. Das lag zum

großen Teil daran, dass ich mich mit einer richtigen Decke zudecken konnte

und nicht nur mit einem Schlafsack zurechtkommen musste. Das machte die

Sache auf alle Fälle wesentlich bequemer.

Nun stand für uns alle ein Klamottenwechsel an. Duschen war leider nicht

möglich! Im Internet stand zwar etwas von behindertengerechten

Duschkabinen, diese waren aber nicht vorhanden. Auch hier werde ich mich

nachträglich noch einmal an den Veranstalter wenden. Paulines Bekanntschaft

Jan (E-Rollstuhlfahrer) hatte sich beschwert und bekam daraufhin einen

Transport zum nächsten Standort der Caritas (oder einem ähnlichen Träger)

finanziert.

Unser Frühstück mussten wir leider ins Zelt verlegen, da es regnete. Der Regen

würde uns später noch in ein größeres Abenteuer zwingen, aber dazu später.

Familie und Freunde machten sich Sorgen, da die Zeitungen von kräftigen

Stürmen auf der Halbinsel berichteten. Viel mitbekommen hatten wir

Samstags davon allerdings nicht.

Zu einem richtigen Frühstück gehörte natürlich auch ein starker Kaffee, vor

allem nach dieser Nacht. Auch daran sollte es uns nicht mangeln, denn ich

hatte den Campingkocher meines Vaters im Gepäck, welcher auch später für

unser Mittagessen sorgte. Jackpot! Sogar getoastetes Brot (Grill macht´s

möglich!) mit Käse, Wurst oder Nutella gab es dazu. Zum Abschluss

tatsächlich noch einen Apfel für jeden. Richtig komfortabel für einen

Campingtrip!


Wem das an Komfort allerdings noch nicht reicht: Im Real-Zelt, welches sich

zwischen Fressbuden und Getränkewagen, nahe der Hauptbühne, befindet,

kann man sogar frische Brötchen kaufen.

Der Regen hörte einfach nicht auf, doch auch im Zelt hatten wir jede Menge

Spaß. Wir kannten uns ja schließlich kaum (außer Pauline und ich) und so

entstanden die verrücktesten Unterhaltungen.

Nach etwa zwei Stunden nutzten wir den kurzen Moment der Trockenheit, um

uns im oben genannten Real-Zelt mit Eis von Ben&Jerrys und dem neusten

Schrei aus Hessen, Apfelwein aus der Dose und in vielen verschiedenen

Geschmacksrichtungen, einzudecken. Dazu gab es Nudeln mit Tomatensoße

aus der Dose, die wir mit dem Kocher erhitzten und aus Plastikbechern

löffelten. Was für ein Genuss! (Das Zeug schmeckte einfach nach NICHTS. Tja,

das ist Festival!)

Anschließend genehmigten wir uns alle ein Schläfchen, um heute Abend für

Alan Walker, Materia, Fritz Kaklbrenner und Co. fit zu sein.

Doch auch als wir nach einiger Zeit wieder aufwachten, hatte sich das Wetter

nicht wirklich gebessert. Nein, es regnete tatsächlich Blasen. Trotzdem wollten

wir uns in die Massen stürzen und nichts verpassen, denn dafür waren wir ja

schließlich hier. Frei nach dem Motto: “Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt

nur schlechte Kleidung!” Dem schlauen Menschen, dem das über die Lippen

gekommen ist, möchte ich sagen: DOCH, es gibt schlechtes Wetter!

Mit Regenjacken und Müllsäcken gewappnet, begaben wir uns also mitten ins

Geschehen. Zum Glück sahen alle aus wie wir. Der Rege war außerdem eine

gute Gelegenheit auch mal die anderen Stages, also die Zelte, in denen mehr

Elektro gespielt wurde. Auch wenn ich kein Fan von elektronischer Musik bin,

es war zumindest trocken. Mit dem Rollstuhl gab es keine Probleme, in das

Zeltinnere zu gelangen, dafür sorgten stabile Rollstuhlrampen.

Später wurde das Wetter dann besser. Alan Walker, Fritz Kalkbrenner und

Materia konnten wir also noch erleben. Doch vorher mussten wir noch etwas

Verrücktes machen, zum Beispiel uns bemalen lassen.

Ich muss zugeben: Alan Walker und Materia hatte ich ganz klar unterschätzt.

Es war wirklich ein unglaublicher Abend und das trotz Regen. Als wir früh um

02:00 Uhr wieder zu unserem Zelt kamen, hatten unsere lieben Nachbarn uns

eine Nachricht hinterlassen. …

Tag 3 (Sonntag, 04.06.2017)

Diese Nacht endete abrupt: Es regnete in Strömen, das Zelt drohte

einzustürzen. Wir mussten flüchten! Doch das war gar nicht so einfach, denn

das Auto sprang nicht an. Man hätte wohl die Kühltruhe zwischendurch mal

abstöpseln sollen… Zum Glück hatten wir die Feuerwehr nebenan, die uns

Starthilfe gab.

Also schnell das Wichtigste geschnappt und los. Aber wohin? Der McDonalds

im Nachbarort war unsere Rettung! Doch diese Idee hatten auch viele andere

Festivalgäste, es war also brechend voll. Umso besser, dann konnte die Party

hier weitergehen.

Über einen Wasserhahn mit fließendem Wasser und eine Toilette mit Spülung

freuten wir uns wie die Schneekönige!

Nach etwa drei Stunden beim Gelben M und einer Menge ekelhaften Fast

Food, wagten wir uns wieder zurück zum Zeltplatz. Hier mussten wir erstmal

die Auswirkungen des Unwetters wieder in Ordnung bringen.

Anschließend schlief ich eine Weile im Zelt von Jan, denn sein Zelt war

irgendwie standsicherer als unseres.

Am Abend besserte sich das Wetter. Das war gut so, denn gleich spielte

Kraftklub und auf die freute ich mich ganz klar am meisten.

Vorher an einer der Fressbuden noch etwas gegessen und ein T-Shirt von

diesem Jahr gekauft (bei mir Pflicht), dann konnte es auch schon losgehen.

Trotz der Aufregung heute früh feierten wir an diesem Abend alle gemeinsam

die wildeste Party!

Gegen 04:00 Uhr früh kamen wir bei mir zu Hause an, halbtot und mit einem

platten Reifen aber glücklich. Heute Abend sollte es wieder nach Potsdam

gehen. …

Fazit: Auch wenn das Sputnik Springbreak über keine behindertengerechte

Dusche verfügt und die Wege zur Hauptbühne etwas uneben sind, ist der

Service und die Barrierefreiheit hier zu großen Teilen doch sehr befriedigend.

Um den Rest werde ich mich noch kümmern! Wer also die Musik mag, ein

Abenteuer erleben aber erstmal etwas kleiner anfangen möchte, der ist hier

genau richtig. Also, worauf wartet ihr noch?

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