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Meine Reise nach Kempten im Allgäu mit YAT

Die Idee

Mein bester Freund Paul und ich erwarben in diesem Jahr unseren Schulabschluss und das musste gefeiert werden, bevor sich unsere Wege bald ein wenig trennen würden. Ein Wochenende mit Filmen und Pizza oder ein Kinobesuch würde da nicht ausreichen, das wussten wir. Da ich seit meinen letzten zwei Reisen mit “YAT-Reisen“ ziemlich überwältigt von den Touren, den Leuten und allgemein dem ganzen Konzept war, wollte ich auch Paul in den Genuss bringen, einen tollen Urlaub zu erleben. Das würde ein Debut für ihn werden, denn mit großen Reisen konnte er bislang leider noch keine Erfahrungen machen.

Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, sowohl mir als auch ihm in dieser Zeit tolle Erlebnisse zu bescheren, bevor wir uns beide in das Unbekannte stürzten. Aber warum ausgerechnet Kempten?

Normalerweise war ich nicht so für Reisen innerhalb Deutschlands, noch dazu ohne Hard Rock Café. Aber für Paul würde es die erste Reise werden und er wusste noch nicht, wie genial er YAT einmal finden würde. Für seine Sicherheit und auch um zu vermeiden, dass seine Eltern sich groß Sorgen machen mussten, wählte ich ein Ziel in Deutschland. Was noch für Kempten sprach? Dimi, ein ziemlich cooler Typ, der mich auf meiner ersten Reise mit YAT begleitet hatte. Er war schon sehr lange dabei und war eben unter anderem auch schon dort gewesen. Die Tatsache, dass ich gerade ihn als Begleiter für ein 4-tägiges Festival ausgewählt hatte, sollte Vertrauensbeweis genug sein. Wenn er meinte, in Kempten wäre es cool, dann hatte er sicher Recht und ich sollte buchen. Also los!

Einige Wochen vor Start erfuhr ich, dass auch Julian, den ich schon von anderen Reisen kannte, mitkommen würde. Meine Teamerin Sabrina klang am Telefon total nett und abenteuerlustig. Schon im Voraus planten Paul und ich, was wir gerne unternehmen würden. Später blieb uns dann nichts anderes mehr übrig, als uns auf das Kommende zu freuen.


Tag 1

Ohne Frage: 05:00 Uhr aufstehen ist zu früh für meinen Geschmack! Aber was tut man nicht alles für einen tollen Urlaub mit seinen Besten. Gegen 06:30 fuhr ich mit meinem Vater nach Weimar, dort wurden wir (Paul und ich) von einem YAT-Bus nach Paderborn gefahren. Dort ist das Hauptbüro des Reiseveranstalters. (Wenn wir gewusst hätten, dass wir noch einmal nach Paderborn gefahren werden und so einen Umweg machen, wären wir vermutlich nicht erst nach Weimar gefahren. Von mir ist Paderborn 2:45 h entfernt.)

Gegen 10:30 Uhr kamen wir dort an, wurden mit unserem Gepäck in andere Busse eingeladen und trafen den Rest unserer Gruppe (auch meinen Kumpel Julian). Mit drei Bussen waren wir jetzt in Richtung Kempten unterwegs, da wir vorschriftsmäßig aller 90 Minuten Pause machen mussten, war die Fahrt unendlich lang. Es war trotzdem ziemlich lustig. Ich für mich beschloss an diesem Tag jedoch: 10 Stunden, die Fahrt bis nach Weimar inklusive, waren mir einfach zu lange.

Beim nächsten Mal würde ich ganz sicher erfragen, ob es noch andere Haltepunkte auf der Strecke geben würde oder nicht. Noch dazu, weil Weimar ja eigentlich absolut auf der Strecke lag. Halb so wild, beim nächsten Mal ist man schlauer!

Gegen 19:30 Uhr erreichten wir endlich unsere Unterkunft, die JUFA Kempten. Ausgehungert stürzten wir uns auf das Buffet beziehungsweise die warme Mahlzeit, die es jeden Abend gab. Das Essen war eigentlich sogar ganz gut, nur hatte der Veranstalter Vollpension für uns gebucht, wodurch wir nicht viel machen konnten. Aber dazu später. Nach dem Essen bezogen wir unsere Zimmer (2-Bett-Zimmer in angemessener Größe). Die Toilette hatte allerdings keine Griffe und das Bad war klein, also nicht für jede Form von Rollstuhl geeignet. Unten gab es noch eine Toilette mit einem Griff, die wurde allerdings 22:00 Uhr zugeschlossen. Chaos!

Am Ende des Tages liefen (fuhren) wir noch zum angrenzenden Schwimmbad, Cambomare, und beschlossen dieses am nächsten Tag zu besuchen. Jetzt fielen wir nur noch völlig erschöpft ins Bett. Was für ein Tag!


Tag 2

An diesem Tag blieb der Wecker still, was wahrscheinlich auch der Grund dafür war, dass wir erst um 11:30 Uhr in unserem Gruppenraum saßen. Jetzt konnten wir uns zwischen Mittagessen und Frühstück entscheiden, unsere Wahl fiel auf das Frühstück. Nach einer kurzen Pause, frühstücken ist anstrengend :), begaben wir uns gegen 14:00 Uhr ins Schwimmbad. Ich kann nicht alleine schwimmen, doch auch ich war im Wasser. Den meisten Leuten bei YAT kann man echt in jeder Lebenslage vertrauen, das habe ich mittlerweile gelernt. Und auch wenn wir erst eine kurze Zeit so zusammen waren, merkte ich, die Gruppe war super. Das ist lediglich ein Grund, weswegen ich Verreisen auf diese Art und Weise immer weiterempfehlen würde! Da man in diesem Erlebnisbad auch Essen und Trinken, Rutschen oder einfach nur mit Musik auf den Ohren entsannen konnte, war es hier gut möglich, den ganzen Tag zu verbringen. Besonders beliebt war die Außenanlage. Natürlich alles barrierefrei! Doch Schwimmen mit allem, was dazu gehört, ist für die meisten Rollstuhlfahrer immer sehr aufwendig und nicht ganz einfach. Also entscheidet einfach individuell. Es gab hier auch einen Wellnessbereich mit Sauna, den ich allerdings nicht beurteilen kann. Irgendwann mussten wir zum Abendessen, doch eins war sicher: Wir würden wiederkommen!

Abends spielten wir in unserem Gruppenraum Gesellschaftsspiele, tranken Bier oder eben Cola und aßen Knabberzeug, hörten wahrscheinlich viel zu laut Musik und als wir das nächste Mal auf die Uhr schauten, war es 02:00 Uhr morgens. Schlafenszeit!


Tag 3

Am dritten Tag besuchten wir die Innenstadt von Kempten, eine sehr schöne Innenstadt. Aber: sehr bergig, und so viel es auch den fitten von uns sehr schwer, selbst zu fahren. Nachdem wir uns eine Weile gequält hatten, beschlossen wir gegen die Hitze ein Eis in einem großen Einkaufszentrum essen zu gehen. Ein Teil von uns war ins Kino gegangen. Nach einer Shoppingtour trafen wir uns mit ihnen beim Italiener und ließen den Tag bei Pizza und Hugo ausklingen. Lustige Info nebenbei: In der Rollstuhltoilette stand ein Sessel mit Samt bezogen, dort haben es Sabrina und ich uns erst einmal bequem gemacht! Was uns jetzt schon auffiel (leider): Uns standen nicht wirklich viele Kilometer pro Tag zu, wodurch wir unsere Unternehmungen auf den Umkreis beschränken mussten.


Tag 4

Heute war nichts mit Ausschlafen, denn wir machten einen Tagesausflug. Kempten oder allgemein Bayern ist ja schließlich für seine tolle Natur und die tollen Berge bekannt. Wir fuhren zum Baumwipfelpfad, dem Skywalk, nach Scheidegg. Diese Attraktion war im Preis enthalten. Die Fahrt dorthin dauerte etwa eine Stunde. Es gab überall Fahrstühle und die einzelnen Ebenen waren stufenlos zu erreichen. Der Baumwipfelpfad bot eine traumhafte Aussicht in die Allgäuer Berge und die Bodenseeregion. Im Großen und Ganzen war das ein sehr schönes Erlebnis für uns alle, nur war der Weg bis zum Pfad ziemlich steil, so dass alle bis dorthin geschoben werden mussten. Das war ziemlich schade, denn so war das Konzept im Detail doch nicht komplett barrierefrei. Am Abend waren wir noch bowlen und so ließen wir den Tag ausklingen.


Tag 5

Heute ging es mal wieder ins Schwimmbad, auch aus dem Grund, weil wir diesmal eine vernünftige rollstuhlgerechte Dusche aufsuchen wollten. Der Tag hier ließ sich echt gut verbringen, wir aßen Hawaii-Baguettes und tranken alkoholfreies Bier. Ja, und natürlich waren wir auch schwimmen.

Am Abend fuhren wir feiern. Eine rollstuhlgerechte (zumindest im Eingangsbereich) Diskothek namens Park Theater war unser Ziel. Achtung: Eine geeignete Toilette gab es hier nicht. Auch wenn wir nicht tanzten, waren wir trotzdem erst gegen 04:00 Uhr morgens in Bett. Das nenne ich mal “Normalität in dem Alter”, auch als Rollstuhlfahrer. Ist das nicht das, was wir alle wollen? Normalität und Selbstbestimmung.


Tag 6

Von diesem Tag gibt es nicht viel zu erzählen, denn wir waren erst zum Mittagessen aufgestanden. Es gab Camembert und Preiselbeeren. Nach dem Essen legten wir uns erstmal wieder hin. Nach 2 weiteren Stunden Schlaf setzten wir uns mit Musik in die Sonne, aßen Donuts und tranken Kaffee. Am Nachmittag veranstalteten wir noch eine fiese, aber sehr lustige Wasserschlacht. Abends tauschten wir den Kaffee gegen ein Bananenweizen ein. Morgen würde es in den Freizeitpark Skyline gehen.


Tag 7

Wie schon gesagt, heute ging es in den Freizeitpark Skyline, 50 Minuten von unserer Unterkunft entfernt. Der Park bot viele Möglichkeiten, zumindest für uns im Aktivrollstuhl, die wir uns noch einigermaßen bewegen konnten. Der Park wurde im Voraus bezahlt und die Kollegen an den Attraktionen waren so kulant, dass wir bei jedem Karussell, in welchem wir saßen gleich zwei Mal fahren durften. Ich konnte Schiffsschaukel, Wildwasserbahn, Auto-Scooter, den Pendel und eine Achterbahn fahren. Allerdings gab es keine Attraktionen, wo man direkt mit dem Rollstuhl reinfahren konnte. Der Park verfügte außerdem noch über ein 4D-Kino, allerdings war es dort eng und es gab Treppen. An dieser Stelle muss man selbst entscheiden, ob man das sich und seinen Mitmenschen zutraut. Für Olli, unseren E-Rollstuhlfahrer, war leider nur der Auto-Scooter möglich. Sehr schade. Aber auf Gruppenreisen ist es eben schwierig, es immer Allen Recht zu machen.

Nach etwa vier Stunden kehrten wir wieder heim, erschöpft, doch auf alle Fälle sehr glücklich über die Geschehnisse des Tages. Am Abend veranstalteten wir mal wieder einen, bis in die frühen Morgenstunden andauernden, Spieleabend und fielen anschließend völlig fertig ins Bett.


Tag 8

Unsere Kilometer waren fast aufgebraucht, ziemlich ärgerlich. Da blieb uns wohl nichts anderes übrig als schwimmen zu gehen, Sangria aus Eimern zu trinken und tiefschürfende Gespräche zu führen :). Wir waren ein gutes Team geworden und sind echt zusammengewachsen. Das ist er, der YAT-Zauber. Und wem gefällt es mit 18 Jahren bitteschön nicht, einfach einen Tag in der Sonne rumzugammeln?


Tag 9

An unserem letzten richtigen Tag besuchten wir eine Sommerrodelbahn, im Nachhinein wahrscheinlich eine Fehlentscheidung aber dazu komme ich noch. Die Rodelbahn hat wirklich Spaß gemacht, man konnte entweder zu zweit (so dass der “Läufer” das Lenken und Bremsen übernehmen konnte) oder alleine fahren, wenn man sich dazu im Stande fühlte. Allerdings sind einige von uns, die erst alleine gefahren waren, die zweite Runde doch lieber mit einer Begleitung die Piste runtergebrettert. Die Aussicht und die Natur waren wirklich wunderbar, doch auch hier musste man sich umsetzen und teilweise waren die Sitze ziemlich eng. Hier muss sich wieder jeder selbst fragen.

Die große Kehrtwende des Tages: Aus irgendeinem unerklärlichen Grund kippte die Gondel aus der Bahn, als Sabrina mit einem anderen Teilnehmer gefahren war. Die Folgen: Sie hatte eine Schulterprellung erlitten und das bedeutete, sie würde am nächsten Tag als Fahrer ausfallen. Außerdem hatte sie große Schmerzen.

Niedergeschlagen von dem Vorfall gingen wir heute, für unsere Verhältnisse früh aber trotzdem noch viel zu spät, ins Bett. Morgen mussten wir früh aufstehen, um die gewaltige Heimfahrt zu bewältigen. Wie bei jeder meiner YAT-Reisen machte sich an dieser Stelle Abschiedsschmerz breit!


Tag 10

Um 05:00 Uhr aufstehen ist wirklich nicht meine Stärke, zum Glück ging es allen anderen auch so. 06:30 Uhr holten wir für unseren Bus, bestehend aus Hanna (Teamerin), Julian, Paul und mir (meiner Meinung nach ja der coolste Bus), ganz viele Instant-Kaffees aus dem Kühlregal, 2 Flaschen Cola und eine Packung Frikadellen. So müssten wir es überleben … Trotz guter Musik und eigentlich auch guter Stimmung war die Fahrt unerträglich lang, ganz besonders weil wir große Umwege fahren mussten. Gegen 14:30 Uhr kamen wir in Paderborn an, der Abschied war, wie erwartet, sehr emotional. Leider ist das nicht übertrieben, denn manche von diesen Menschen sieht man wirklich nie wieder.

Gegen 17:00 Uhr kamen Paul und ich in Weimar an. Sicher war: Wir beide würden uns wiedersehen! Und sicher war auch: Das war eine wirklich tolle Zeit. Die nächste YAT-Reise zusammen würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.

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